Subway To Sally & Capella Antiqua -
ein grenzenloses Stück Musik
September 2011
Einen musikalischen Ausflug ganz besonderer Art hat die Capella diesen Sommer unternommen: Die Zusammenarbeit mit Subway To Sally für das neue Album "Schwarz in Schwarz", das am 23. September 2011 erscheint.
Andreas und Anke Spindler waren mehrere Tage zu Gast im Studio des STS-Drummers Simon Michael, letzterer kam dann auch noch nach Schloß Wernsdorf, um einige Cembalo-Spuren aufzunehmen.
Simon bei den Cembalo-Aufnahmen im Schloß Wernsdorf
Simon: also wir haben ein paar spuren im studio gemacht und ein paar wenige im schloss. zumal ich letztere richtig klasse finde... wir haben da ein cembalo aufgenommen, das wirklich auch den geist dieses schlosses atmet. das mag wirklich albern und esoterisch klingen. es geht beim aufnehmen ja darum, die magie des moments festzuhalten und das funktioniert natuerlich an so inspirativen orten wie dem konzertsaal im schloss quasi automatisch. die cembalo spur ist auf der prod leider kaum zu hoeren, aber ich hoer sie mir relativ oft an und feier die total ab. ich denke, dass man da sogar in der zukunft noch mehr rausholen kann, wenn man sich ein wenig muehe gibt.
ansonsten war es fuer uns total spannend und auch wichtig, bei der platte alles moeglichst von hand zu machen. drumloops z.b. wurden ne menge durch echt gespielte percussions ersetzt, ebenso die mittelalter- und ethnofraktion. ich erinnere mich an einen magischen moment, bei dem wir die harfe zu "mir allein" aufgenommen haben. da wurde aus dem programmierten arrangement ploetzlich etwas lebendiges, ich kann es kaum beschreiben. das war halt echt krass ;)
gestern waren wir uebrigens noch bei der capella zum grillen und bogenschiessen eingeladen. spektakulaer! man versteht sich auch uebers musikmachen hinaus sehr gut und ich denke, dass aus der liaison capella und sts noch das ein- oder andere spannende projekt entstehen koennte.
Ingo (mit Trumscheidt) Fabio und Simon - ganz entspannt
Andreas: Der Kontakt zu Subway kam durch die befreundete Percussionistin Nora Thiele zustande, die Simon Michael nach Wernsdorf einlud. Er kam, wir zeigten ihm das Schloß, die Musikinstrumentensammlung und spielten auch einige Stücke im Konzertsaal an. Und ich glaube, da hat es in Simons Hirn schon angefangen zu arbeiten... jedenfalls fragte er uns kurz danach, ob wir uns nicht vorstellen könnten, ein paar Spuren für die neue CD einzuspielen. Eine spannende Herausforderung, die wir gerne angenommen haben.
Simon und Ingo haben uns Noten von einigen Stücken mitgegeben, dazu eine ungefähre Instrumenten-Vorstellung - ja, und dann haben wir viel ausprobiert, um dann die am besten zu den Stücken passenden Instrumente mit ins Studio zu bringen. Für uns "Klassiker" waren die Aufnahmen eine echte Herausforderrung, nach Klick-Track spielen, so viele Tacks zu spielen wie nötig, und das alles in einer extrem motivierenden Umgebung...
Simon Michael ist ja nicht nur der Ausnahme-Drummer, sondern auch ein genialer Operator hinterm Aufnahmepult, mit allen Raffinessen. Er hat einfach das richtige Gespür, seine Kollegen zur richtigen Zeit im Aufnahmeraum zu motivieren. Und Ingo ist da in der Szene sicherlich auch die große Ausnahme: mal schnell einen vierstimmigen Satz für Gamben im Renaisssance-Stile zu komponieren, und das alles während wir laute und lärmende Schalmei und Dudelsack-Parts einspielten - toll!
Anke: Die Vermischung der Kulturen und Musikstile hat damals wie heute die Musiker inspiriert...
Und so wussten wir zwar nicht genau, was auf uns zukommt, aber dass sich die Musik von Subway mit unseren Parts auf eine ganz besondere Art vermischen würde, konnten wir schon ahnen.

Schon im Mittelalter hat es ja ganz besondere Schmelztiegel der Kulturen, und damit auch der Musik gegeben -
einer davon war Santiago de Compostela, auch schon im Mittelalter ein beliebter Wallfahrtsort, an dem Pilger aus Ost und West zusammenkamen, gemeinsam Wege beschritten haben, gemeinsam angekommen sind und gemeinsam musiziert haben. Die bis heute erhaltenen "Cantigas de Santa Maria" erzählen von diesen Geschichten.
Jetzt begleitet ein ganzes Gambenensemble (ja, auf das bin ich echt stolz!) mit einer von Ingo genial komponierten Passacaglia den Weg "Ins Dunkel", die gotische Harfe aus Andreas' Werkstatt steht mit ihren sanften Klängen krass im Kontrast zur schwarzen Seele in "Mir Allein" - nur um zwei Songs zu nennen.
So haben sich auf diesem Album die Kulturen und Musikstile vermischt wie in alter Zeit, aber so entgegengesetzt das im Moment auch klingen mag, wir haben mit Simon, Ingo und Fabio Musiker getroffen, mit denen wir uns auf Anhieb hervorragend verstanden haben und vor deren Professionalität wir wirklich unseren Hut ziehen! Schön, dass Simon "gleich ums Eck" wohnt, und so wird dieser wundervolle Kontakt mit Sicherheit so schnell nicht wieder abreißen!